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"Zerstörte Steine treffen uns alle"

Freitag, 24. Januar 2020

Veranstaltung der „Initiative Erinnern“ unterstützt durch die Stadt Geilenkirchen

am 27.01.2020, 10.00 – 11.30 Uhr

Am 30.12.2019 wurde in Geilenkirchen, Heinsberger Straße / An der Linde der dortige Friedhof der ehemaligen jüdischen Gemeinde Geilenkirchens geschändet. Zwei Tatverdächtige im Alter von 21 und 33 Jahren wurden von der Polizei in unmittelbarer Tatortnähe festgenommen.
Als die Verwaltungsführung und Verantwortliche der Initiative Erinnern  diese Nachricht erreichte, waren sie vollkommen bestürzt und massiv geschockt, so der 1. Beigeordnete Herbert Brunen. Der sich zu diesem Zeitpunkt im Ausland aufhaltende Bürgermeister Georg Schmitz war vollkommen fassungslos und informierte sich umgehend bei seinen Mitarbeitern.

Durch die Schändung des Friedhofes und dem Zerstören von Grabmälern wurde die Würde der Verstorbenen als auch von deren Angehörigen zutiefst verletzt. Bei dem vorsätzlichen Handeln wurden 47 Grabsteine zerschlagen, zertrümmert, herausgerissen und umgestürzt und 20 Grabsteine mit blauer Farbe beschmiert. Die Friedhofsmauer war auch beschmiert, der Friedhofszaun eingetreten sowie Grablichter zertrümmert. Die vermeintlichen Täter hatten sich gewaltsam Zutritt zum verschlossenen und eingezäunten Friedhof verschafft. Zurzeit ermittelt noch der Staatsschutz beim Polizeipräsidium in Aachen.

Nach vorliegenden Pressemeldungen waren die Täter rechtsextrem motiviert. Da die beiden Täter  aus der Nachbargemeinde Gangelt stammen, besteht eventuell ein Zusammenhang mit den Schändungen auf dem Friedhof der ehemaligen jüdischen Gemeinde Gangelt vom 16.07.2019.

Die Stadt Geilenkirchen hat unmittelbar nach dem frevelhaften Ereignis vom 30.12.2019 Kontakt zum Landesverband der jüdischen Gemeinden von Nordrhein aufgenommen. Der Landesverband ist Eigentümer der Friedhofsfläche. Die Kommune ist für die Pflege zuständig.

Gemeinsam mit Vertretern des Landesverbandes wurde vor Ort überlegt, in welcher Form die Beschädigungen und Farbschmierereien beseitigt werden können, um den Friedhof wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen, so Wolfgang Robertz vom zuständigen Amt Stadtbetrieb und Wirtschaftsförderung der Stadt Geilenkirchen.

Die notwendigen Arbeiten wurden sodann umgehend durch den Leiter des Stadtbetriebes, Gort Houben in Auftrag gegeben. Koordiniert wurden die Arbeiten durch seinen Mitarbeiter Wolfgang Robertz.

Verantwortliche der Stadt Geilenkirchen waren sich darüber im Klaren, dass die geschädigten Grabsteine denkmalgerecht wiederhergestellt bzw. konserviert werden sollten. Es wurde bei den durchgeführten Tätigkeiten großen Wert darauf gelegt, das optische Erscheinungsbild und den Charakter des Friedhofs nicht zu verändern. Ästhetische Verschönerungen wurden nicht durchgeführt. Die Arbeiten waren sicherlich nicht immer einfach und wirklich schweißtreibend, erklärte Wolfgang Robertz. Auch der Einsatz von großem Gerät (Bagger) zur Aufrichtung großer Grabsteine an einigen engen Stellen stellte eine enorme Herausforderung für die Mitarbeiter dar, teilte der zuständige Leiter des Baubetriebshofes, Wolfgang Jansen auf Nachfrage mit.

Die gesamten Arbeiten auf dem Friedhof wurden bereits zum Ende der letzten Woche erledigt. Mit einer dermaßen schnellen Wiederherstellung konnte zu Beginn der Arbeiten nun wirklich keiner rechnen, so die Aussage Gort Houbens. Hier wurde auch ein ortsansässiger Steinmetz beauftragt.

Die erforderliche Entfernung der Farbschmierereien auf Grabmalen durch Sandstrahlarbeiten wird eine Fachfirma durchführen. Die meisten Schäden konnten somit bis zum heutigen Tage bereits beseitigt werden.

Der Friedhofseingangsbereich wird aufgrund der Bestellung von Zaunteilen und der Torerneuerung erst in ca. 2 Wochen fertiggestellt werden können. Aber auch hier sind wir zuversichtlich, so Peter Sentis vom Baubetriebshof.

Es waren in den letzten Tagen immer mindestens vier Arbeiter ganztätig dort eingesetzt! Ich muss in diesem Zusammenhang den unermüdlichen und selbstlosen Einsatz aller Beteiligten  loben, teilte Gort Houben mit. Wir gehen davon aus, dass bis zum Ende des Monats die Arbeiten abgeschlossen werden können und so ein würdevoller Zustand wieder hergestellt ist, fügte Wolfgang Robertz hinzu.

Die in Geilenkirchen sehr aktive „Initiative Erinnern“, die sich aus vielen Akteuren aus den weiterführenden Schulen, der christlichen Kirchen und der Lokalpolitik vor einigen Jahren hier gegründet hat, ist in dieser Sache ebenfalls sehr aktiv geworden, teilte der Erste Beigeordnete der Stadt Herbert Brunen mit. 
Die „Initiative Erinnern“ hat sich mit Erfolg zur Aufgabe gemacht, das Leben der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in unserer Stadt aufzuarbeiten und dies der Bevölkerung in einer Vielzahl regelmäßiger Veranstaltungen, u. a. durch diverse Stolpersteinverlegungen, näher zu bringen. Ein weiterer Schwerpunkt sind Aktivitäten sowie die Aufklärungsarbeit gegen jegliche Tendenzen rechtsradikaler Gesinnungen.

Aus dieser Verpflichtung heraus plant die „Initiative Erinnern“ mit Unterstützung der Stadt Geilenkirchen für den 27.01.2020, ab 10.00 Uhr, eine Kundgebung auf dem hiesigen Marktplatz, zu der zwischen 1.500 – 2.000 Teilnehmer erwartet werden, um ein deutliches Zeichen gegen die Schändung des jüdischen Friedhofs sowie jegliche Form von Rechtsradikalismus zu setzen.
Hierzu wird neben weiteren Vertretern auch der Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Nordrhein, Herr Michael Rubinstein, in Geilenkirchen erwartet und ein Grußwort an die Teilnehmer richten.

Die Innenstadt Geilenkirchens ist wegen der Kundgebung am Montag, 27. Januar in der Zeit von 9.00 Uhr – 12.00 Uhr teilweise gesperrt. Parkmöglichkeiten bestehen auf dem Cityparkplatz (Einfahrt Herzog-Wilhelm-Straße oder Theodor-Heuss-Ring) sowie im P + R Parkhaus hinter dem Bahnhof Geilenkirchen über die Zufahrt „An der Friedensburg“.

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