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Demonstration "Zerstörte Steine treffen uns alle"

Mittwoch, 29. Januar 2020

„Zerstörte Steine treffen uns alle“

Unter diesem Titel fand am vergangenen Montag, den 27.01.2020, eine Kundgebung gegen Antisemitismus auf dem Geilenkirchener Marktplatz statt. Anlass der Kundgebung war die Schändung des jüdischen Friedhofes in Geilenkirchen am 30. Dezember 2019. Dort wurden durch rechtsradikale Täter 47 Grabsteine zerstört und 20 Grabsteine mit blauer Farbe beschmiert. Die Kundgebung sollte aber nicht nur an die Schändung des Friedhofes erinnern, sondern hatte auch einen geschichtlichen Hintergrund: Der 27.01.2020 war der 75. Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. An der Kundgebung nahmen mehr als 1.500 Menschen teil. Darunter waren Schülerinnen und Schüler der Geilenkirchener Schulen, viele Besucherinnen und Besucher sowie Personen aus der Politik, die gezielt ein Zeichen gegen die Friedhofsschändung und jegliche Form von Rechtsradikalismus und Antisemitismus setzten.

Die Kundgebung wurde von der „Initiative Erinnern“ und der Stadt Geilenkirchen zusammen organisiert. Die vor einigen Jahren in Geilenkirchen gegründete sehr aktive „Initiative Erinnern“, in der viele Akteure aus den weiterführenden Schulen, den christlichen Kirchen und der Lokalpolitik mitwirken, hat sich mit Erfolg zur Aufgabe gemacht, das Leben der Geilenkirchener Menschen jüdischen Glaubens in unserer Stadt aufzuarbeiten und der Bevölkerung in einer Vielzahl regelmäßiger Veranstaltungen, u. a. durch diverse Stolpersteinverlegungen, näher zu bringen. Ein weiterer Schwerpunkt sind Aktivitäten sowie die Aufklärungsarbeit gegen jegliche Tendenzen rechtsradikaler Gesinnungen.

Als Sprecher der „Initiative Erinnern“ begrüßte Hans Bruckschen die Teilnehmenden sowie die Rednerinnen und Redner. Er fasste den Grund der Kundgebung zusammen und freute sich, dass so viele Menschen gekommen waren, um ein Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Am Tag der Kundgebung wurde außerdem der Geilenkirchener Karl-Heinz Nieren für sein Handeln gegen das Vergessen der ehemaligen jüdischen Mitmenschen, u. a. durch Stolpersteinverlegungen, in Berlin mit dem Obermeyer-Preis geehrt. Bürgermeister Schmitz war als Gast bei der Ehrung in Berlin anwesend und konnte daher leider nicht an der Kundgebung auf dem hiesigen Marktplatz teilnehmen. Der stellvertretende Bürgermeister Kuhn stellte in seiner kurzen Ansprache klar: „ Wir in Geilenkirchen sind bunt, aber wir sind nicht braun.“ Großen Dank richtete er an die Verantwortlichen, die innerhalb kürzester Zeit den Friedhof wieder hergestellt haben.

Musikalisch wurde die Veranstaltung von verschiedenen Darbietungen des Chores des Berufskollegs sowie von Heinz Quix begleitet. Die Schülersprecher der verschiedenen Geilenkirchener Schulen positionierten sich durch verschiedene Wortbeiträge und fassten letztendlich wie folgt zusammen: „Wir nehmen den Hass und drehen ihn um.“

Ein ganz besonderer Gastredner hatte extra für die Kundgebung die lange Anreise aus London auf sich genommen. Herr David Bier, ein Enkel des in Geilenkirchen geborenen Juden Adolph Dahl, gab den Anwesenden einen kurzen Einblick in seine Familiengeschichte. Auch er lobte die schnelle und würdige Instandsetzung des Friedhofs.

Auch Herr Rubinstein, der Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Nordrhein, war vor Ort. Er analysierte die heutige Situation der Jüdinnen und Juden in Deutschland und appellierte an jeden, gegen  Antisemitismus aktiv zu werden und nicht wegzuschauen. Großen Dank richtete er an die Stadt Geilenkirchen für die stetige sehr gute Pflege des Friedhofes. Er freute sich außerdem darüber, dass Geilenkirchen mit dieser Demonstration, der regen Anteilnahme und dem schnellen Handeln bei der Wiedererrichtung der Grabmale ein ausgezeichnetes Zeichen setzt und als Vorbild für andere im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus agiert.

 

 

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