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Kinderinterview mit Bürgermeister Thomas Fiedler
Das Interview wurde geführt von Celina, Paula, Ulf, Michelle, Daniel, Meissa und Ina

(weiter unten auf dieser Seite könnt ihr das Interview auch als Video anschauen!)

1. Wie alt sind Sie? Wann haben Sie Geburtstag?

Ich bin noch wenige Tage 59 Jahre alt und am 15. März werde ich 60 Jahre alt.

2. Haben Sie Kinder? Können Sie viel Zeit mit ihnen verbringen?
Ich habe eine Tochter, die ist noch wenige Tage 9 Jahre alt, dann wird sie 10 Jahre alt. Sie geht auf die katholische Grundschule und ich versuche soviel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen, aber mir geht es so wie vielen Vätern, wir sind den ganzen Tag unterwegs, aber ich freu mich darauf, dass wir morgens früh zusammen frühstücken und abends haben wir auch noch Zeit für einander. Das ist schon ok so, glaube ich, für alle.

3. Haben Sie Hobbys? Was machen Sie in ihrer Freizeit?
Ja, ich habe ein Hobby, das ist Musik machen. Ich mache sehr gerne Musik und in meiner Freizeit spiele ich Trompete und Gitarre und allerlei andere Instrumente. Heute Abend zum Beispiel haben wir einen Prinzenempfang - den Karnevalsempfang - und da verrat ich jetzt schon mal, da werde ich Bassgitarre und Trompete spielen.

4. Wo sind Sie geboren?
Ich bin in Düsseldorf geboren. Ich bin auch da zur Schule gegangen und meine Kindheit und meine Jugend habe ich in Düsseldorf - oder in der Nähe von Düsseldorf - verbracht.

5. Was würden Sie machen, wenn Sie jetzt nicht Bürgermeister wären?
Wenn ich nicht Bürgermeister wäre, dann würde ich immer noch bei der Stadt Aachen arbeiten, denn da habe ich vorher gearbeitet und würde mich dort um Aachen als Stadt und Europa kümmern. Das nennt man europäische Angelegenheiten, das habe ich vorher lange Jahre bei der Stadt Aachen gemacht und wäre ich nicht gewählt worden, wäre ich da heute noch.

6. Was haben Sie für eine Ausbildung?
Ich habe Sprachwissenschaften und Geschichte studiert und habe dann lange Jahre, über 30 Jahre, bei der Stadt Aachen in verschiedenen Aufgaben gearbeitet.

7. Wenn Sie nicht arbeiten, bleiben Sie dann Bürgermeister oder sind Sie privat?
Das ist eine tolle Frage, denn eigentlich ist man Bürgermeister 24 Stunden am Tag. Aber du kannst dir vorstellen, wenn ich nach Hause komme, dass erste, was ich mache ist die Krawatte auszuziehen und mir ein paar bequeme Klamotten anzuziehen. Ich kann schon sehr privat sein. Aber das ist in der Tat so, ein Bürgermeister muss eigentlich 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen.

8. Wer „ist“ Bürgermeister, wenn Sie nicht da sind?
Das ist eine gute Frage. Also, zum Beispiel für Empfänge oder für Besuche bei Jubilaren, das machen wir sehr viel, wenn jemand zum Beispiel 50 Jahre verheiratet ist oder sogar 60 Jahre, dann kommt der Bürgermeister normalerweise und wenn ich da mal nicht kann, dann habe ich zwei stellvertretende Bürgermeister. Der eine ist der Uwe Eggert, der ist zum Beispiel jetzt grade zu einem 90jährigen Geburtstag gefahren, weil er wusste, ich kann nicht, weil ich heute mit euch zusammensitze und nachher auch noch zu einer anderen Pressekonferenz muss und dann übernimmt der diese Aufgabe. In der Verwaltung, wenn es also um die Arbeit hier im Haus geht, da hab ich zwei Beigeordnete. Die heißen Beigeordnete, weil sie wie beigeordnete Bürgermeister sind, die sind mir sozusagen an die Seite gestellt. Der erste Beigeordnete ist hier in der Stadtverwaltung mein offizieller Vertreter.

9. Wie wird man Bürgermeister?
Also, Bürgermeister werden von der Einwohnerschaft einer Stadt oder einer Gemeinde gewählt und zwar alle 6 Jahre. Die Parteien, die im Rat sind, sitzen hier im Ratssaal. Hier im Ratssaal sitzen 38 Personen, die sind gewählt. Die kommen aus verschiedenen Parteien und diese Parteien, CDU, SPD, FDP, die Grünen und Bürgerliste, die einigen sich auf einen Kandidaten. Die sagen: „Hör mal, willst du der Bürgermeister werden?“ Und dann gibt es eine Wahl zwischen verschiedenen Kandidaten, alle 6 Jahre. Und so wird man dann gewählt.

10. Warum wollten Sie Bürgermeister werden?
Das ist eine gute Frage. Ich habe sehr viele Erfahrungen mit Kommunalverwaltung gehabt, weil ich ja schon in einer großen Stadt über 3 Jahrzehnte gearbeitet habe und verschiedene Bereiche gut kennen gelernt habe und dann bin ich gefragt worden, ob ich meine Erfahrungen in den Dienst der Stadt Geilenkirchen stellen würde. Ich habe mir das ein bisschen überlegt, und dann habe ich „ja“ gesagt. Habe gesagt, ok, ich kandidiere zum Amt des Bürgermeisters. Ja - es hat geklappt!

11. Wie schwer ist es,  Bürgermeister zu sein?
Also es ist zum Teil schwer, aber zum Teil ist es auch ganz angenehm. Schwer ist es dann, wenn man Ärger bekommt. Also zum Beispiel in der Kommunalpolitik oder viele Menschen haben auch Anliegen an die Stadt und nicht alle Anliegen und allen Bitten kann man nachkommen. Da wird es dann schon mal schwer, weil ich dann Ärger bekomme, dann muss ich mich mit Diskussionen auseinandersetzen. Schwer ist es auch, weil man viel Zeit investieren muss. Die Freizeit, die geht ganz zurück und man arbeitet ganz viele Stunden. Das Schöne überwiegt aber eigentlich, dass Schöne ist, dass man etwas tun kann für eine Stadt und dass man etwas gestalten kann. Ein berühmter Staatsmann hat einmal gesagt: „Das interessante an solchen Ämtern ist Information und Transport“. Was meinte der damit? Information bedeutet, ich bekomm alles mit, ich weiß vieles, der Georg Schmitz, der weiß noch mehr, der ist bei der Zeitung. Aber wir beide sind wahrscheinlich die, die am meisten mitbekommen. Und Transport bedeutet, ich hab es hier angenehm, ich hab ein großes Auto und ich habe einen Fahrer, der fährt mich überall hin, das macht schon Spaß. Und ich werde überall eingeladen, zum Beispiel jetzt gleich wurde ich  eingeladen, da gibt es was Leckeres zu Essen. Also dafür investiere ich auch gerne meine Arbeitszeit.

12. Was macht Ihnen bei der Leitung der Stadt am meisten Spaß?
Am meisten Spaß macht mir, dass ich mehr als 200 Mitarbeiter hier habe, die alle gute Ideen haben und mit denen macht es Spaß, zusammen zu arbeiten. Wir haben schon jetzt zusammen viel Zeit verbracht. Ich bin jetzt 1 ½ Jahre im Amt und ich freu mich immer darüber, wie viele Ideen - wie viele gute Ideen - aus den Kreisen meiner Mitarbeiter kommen. Jetzt zum Beispiel dieses Projekt, diese Kinderseite. Das heißt, man kann vieles zusammen machen, man kann viele Dinge zusammen entwickeln und viele schöne Dinge auch für die Stadt machen und das macht am meisten Spaß.

13. Was macht Ihnen als Bürgermeister nicht so viel Spaß?
Nicht so viel Spaß macht mir, dass es dann doch eine Zahl von Menschen gibt, die nicht zufrieden sind. Also, es gibt so Miesepeter und Nörgler, die gibt’s überall, in allen Städten gibt’s die, wie auch hier in Geilenkirchen, die haben immer etwas gegen die Stadt. Die meinen immer, die müssten irgendwas kritisieren, denen kann man es nie recht machen. Das macht eigentlich nicht so Spaß, wenn man zu häufig mit solchen Menschen zu tun hat, aber ich kann es noch aushalten.

14. Wie lange arbeiten Sie pro Tag?
Also ich komme morgens, wenn alles gut klappt, um 7.50 Uhr ins Büro und gehe abends nicht vor 18.00 Uhr nach Hause. Manchmal, oder in vielen Fällen, wie jetzt grade um Karneval, habe ich abends auch noch Termine. Das heißt, es kann schon mal sein, dass ich morgens um 7.50 Uhr aus dem Haus gehe und erst abends um 22.00 Uhr oder um 22.30 Uhr wieder nach Hause komme.

15. Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?
Also ich habe in der Woche zwischen 40 und 50 Termine. Das heißt, Gespräche mit Personen, die kommen dann zu mir. Die Termine sind dann vorher vereinbart. Ich habe einen Wochenkalender, da stehen immer viele Termine drauf, und wenn ich morgens früh ins Büro komme, dann gucke ich erstmal in meine Mailbox rein. Dann beginnen die Gespräche. Ich muss auch häufiger wegfahren, um Gespräche zum Beispiel mit dem Landrat zu führen oder auch um zu irgendwelchen anderen Veranstaltungen zu gehen. Ich geh auch mal zu einem 90jährigen Geburtstag oder zu einer Goldhochzeit und am Nachmittag, wenn ich dann wieder zurückkomme von den Gesprächen, dann muss ich sehr viele Akten lesen. Ich unterschreibe am Tag bestimmt 100mal irgendwelche Schriftstücke. Es liegen immer Aktenberge bei mir auf dem Tisch, die muss ich abarbeiten und abends hab ich dann wieder Termine. Das muss man alles gut organisieren, und dafür hab ich auch sehr sehr fitte Mitarbeiter. Meine Sekretärin, die achtet sehr darauf, dass das alles gut in den Terminplan passt.

16. Muss sich ein Bürgermeister um alles alleine kümmern?
Also eigentlich ist der Bürgermeister für alles verantwortlich, aber er muss sich nicht um alles kümmern. Dafür hat er ja seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Ich habe erstmal zwei Beigeordnete, die sind verantwortlich für viele Teile der Verwaltung und dann haben wir sehr viele Amtsleiter. Das heißt, nicht sehr viele, aber wir haben doch eine Zahl von rund 10 Ämtern. Ämter sind in der Zuständigkeit in einem bestimmten Bereich, also wir haben ein Amt für Jugend, ein Amt für Soziales, ein Amt für Kultur, ein Amt für Ordnung, also das Ordnungsamt. Das sind dann die Amtsleiter, die übernehmen die Verantwortung jeweils für einen Fachbereich, also ich muss mich längst nicht um alles kümmern.

17. Was machen Sie als Bürgermeister für die Stadt?
Ja, das ist jetzt natürlich die schwierigste Frage, was mach ich für die Stadt? Erstmal ist er der Leiter der Stadtverwaltung. Hier arbeiten 240 Personen und da ist der Bürgermeister der Leiter, der Leiter einer Behörde. Das ist also die Stadtverwaltung. Gleichzeitig ist er der Vorsitzende des Stadtrates. Das heißt, ich bin in allererster Linie dafür verantwortlich, dass der Stadtrat und das seine Ausschüsse ordnungsgemäß tagen können, das die Vorlagen alle da sind, das die Protokolle gemacht werden. Wir haben einen Stadtrat mit 39 Personen, da bin ich selber mitgezählt, ich sitze dann da vorne, wenn der Stadtrat stattfindet, direkt vor der Leinwand, wo die Klingel steht, damit eröffne ich die Sitzung. Dann sitzen 38 Damen und Herren hier, die den verschiedenen Fraktionen, Parteien angehören, die werden von den Parteien entsendet, die sind gewählt von der Einwohnerschaft und die beraten Dinge, die die Stadt angehen, und das ist die Hauptaufgabe, die vornehmste Aufgabe des Bürgermeisters, dass der Rat richtig gut arbeiteten kann. Wir haben in der nächsten Woche eine Ratssitzung und das sind bestimmt 40 Seiten, auf denen geschrieben steht, was wir da alles zu beraten haben und ich muss dann dafür Sorge tragen, dass die diese Informationen rechtzeitig bekommen.

18. Was tun Sie für uns Kinder?
Ja, das ist eine ganz wichtige Frage, was tun wir für die Kinder? Kinder sind wichtig, Kinder sind die Zukunft und deshalb ist uns auch ganz wichtig, dass wir was für die Kinder tun. Als erstes sorgt die Stadt dafür, dass die Kindergärten und die Schulen gut ausgestattet sind. Wir sind nicht dafür zuständig, was ihr lernt und auch nicht für die Lehrer, aber wir sind zuständig für die Gebäude und für die Ausstattung. Das ist schon mal ganz wichtig, dass wir da versuchen, es euch so schön und so zweckmäßig wie möglich zu machen in den Schulen. Da darf ich jetzt mal voller Stolz sagen, die Schulen in Geilenkirchen sind in einem sehr sehr guten Zustand, verglichen mit manchen anderen Städten. Das zweite, wofür wir zuständig sind, sind die Kinderspielplätze, die werden von uns gebaut, gepflegt, unterhalten, da wird auch mal was repariert. Also wir sorgen dafür, dass die Kinder anständige Spielplätze haben. Spielplätze auch für die älteren Jugendlichen, zum Beispiel die Dirtbikeanlage oder die Skaterbahn, die seht ihr übrigens da auch auf der Stadtkinderseite, rechts seht ihr einen Skater. Wir sind auch zuständig für die Bücherei. Oder wir haben auch Kulturveranstaltungen, es gibt Theaterveranstaltungen, Musikveranstaltungen für euch, das Jugendamt macht ne ganze Menge Veranstaltungen und wir tun vor allen Dingen auch dann etwas, wenn es Kindern nicht gut geht. Da ist das Jugendamt immer sehr aufmerksam und hilft Kindern, denen es nicht gut geht in ihren Familien. Also ihr merkt, wir tun in vielerlei Hinsicht etwas für Kinder.

19. Was tun Sie für arme Leute?
Arme Leute bekommen ja Geld. Sie können sich hier vorstellen und sagen „ich hab kein Geld“, ich hab keine Arbeit, mir geht’s nicht gut, ich bin arm. Wir haben also verschiedene Möglichkeiten, um armen Leuten zu helfen. Zum ersten, wenn jemand obdachlos ist, haben wir so genannte Notunterkünfte. Das sind Wohnungen, die halten wir im Grunde genommen frei, wenn jemand mal in Not gerät und kein zuhause mehr hat, dann kann er in einer Notunterkunft unterkommen. Dann kann man sich bei uns melden für den Bezug von Arbeitslosengeld. Wenn man keine Arbeit hat, geht man erstmal zum Arbeitsamt, das ist klar, aber hier, wenn man kein Geld mehr hat, dann kommt man hier zur so genannten ARGE und da gibt’s Geld und Unterstützung. Wir leisten auch Beratung für arme Menschen. Wir zeigen den Menschen wie sie durch Hilfsangebote aus ihrer Krise wieder herauskommen. Das ist ein großes Feld und ich muss euch sagen, die Kommunen, also die Städte und Gemeinden in Deutschland, geben für die armen Menschen das meiste Geld aus. Wir sind dafür zuständig, dass diese armen Menschen Geld bekommen und das macht einen großen Teil unseres Geldbudgets aus.

20. Was tun Sie für die Schulen?
Ich hab eben schon erläutert, wir sind zuständig für die Unterhaltung der Gebäude, also sowohl für die Einrichtung eurer Klassen oder die Einrichtung der Turnhallen, für die gesamten Gebäude sind wir zuständig. Wir tun eine ganze Menge, wir tun auch Dinge, von denen ihr manchmal gar nichts mitbekommt. Nämlich, am meisten wird gearbeitet von der baulichen Seite in den Schulen, wenn ihr in den Ferien seid. Wir haben jetzt mehrere Fälle gehabt, wo Toilettenanlagen umgebaut worden sind, wo eine Mensa eingerichtet wurde, wo eine Küche beispielsweise eingerichtet wurde. Das sind Sachen, die bekommt ihr meistens gar nicht mit, weil die in den Ferien stattfinden.

21. Was tun Sie für den Umweltschutz?
Wir tun einiges für den Umweltschutz, indem wir erstmal darauf achten, dass zum Beispiel die Abfallentsorgung gut funktioniert, dass ist ein wichtiges Thema, Abfall zu entsorgen. Zweitens kümmert sich die Stadt mit anderen Städten zusammen um eine gute Wasserversorgung, das ist uns auch sehr sehr wichtig. Also die Stadt Geilenkirchen hat mit der Gemeinde Gangelt und der Gemeinde Selfkant zusammen ein Wasserwerk, sauberes Wasser ist sehr wichtig. Wir beobachten sehr genau, dass die Luft nicht verschmutzt wird, da achtet unser Ordnungsamt drauf. Und wir achten darauf, dass die Umwelt sauber bleibt, also die Landschaft auch sauber bleibt. Wir haben jetzt eine spezielle Aktion, die heißt, „Geilenkirchen putz(t) munter“, das ist eine freiwilligen Aktion, wo in allen Ortschaften von Geilenkirchen Menschen zusammenkommen und im Frühjahr mal so richtig das Gelände putzen und den Abfall einsammeln, den die Menschen über den Winter so verstreut haben. Das wäre so im Großen und Ganzen, was wir für den Umweltschutz tun. Vieles wird auch durch die Kreisbehörde geregelt, das ist dann nicht in unserer Verantwortung, aber wir tun einiges für den Umweltschutz.

 

(hinten v.l:)Der Schulleiter der KGS, Dr. Mohr, die Schulleiterin der GGS, Frau Maxheim, Bürgermeister Fiedler, Frau Swit und Frau Gerhards mit den "Interviewern": Meissa, Paula, Ulf, Celina,Ina,Daniel und Michelle

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